Allgemein

Die Sozialisierung vom Hund ist einfach?

Ist der Hund eigentlich ein Rudeltier? Immer wieder wird uns Menschen eingeredet „Der Hund braucht viel Kontakt mit Artgenossen“. Doch aufgepasst eigentlich ist der wichtigste Sozialkontakt / Aktionspartner in erster Linie der Mensch.

Dass der Hund von Anfang an sozial ist, wird ihm quasi in die wiege gelegt . Denn den aller ersten sozial Kontakt erlebt der Hund im Mutterleib und bis in der Regel zur achten Woche mit seinen Geschwistern. Wird ein Welpe zu früh von den Geschwistern und der Mutter Hündin getrennt, kann dies zu schweren Defiziten bei dem Welpen führen. Im Lebensalltag beziehungsweise nach dem Kontakt in der Wurfkiste werden seine Verhaltensweisen verfeinert und gefördert.

Der Hund – ein semi solitäres Lebewesen

Unsere menschlichen Vorstellungen über Hunde sind oft von alten Wolfsmärchen und Rudelverhalten geprägt. Doch in der Realität leben Hunde meist einzeln, zu zweit oder in kleinen Gruppen – sei es in unseren Haushalten hier in Mitteleuropa oder draußen auf den Straßen in anderen Ländern. Nur selten bilden sie tatsächlich Rudel, wie es bei den „Pizza-Hunden“ von Günther Bloch beschrieben wird, wo verwilderte Haushunde sich zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen haben.

Immer wiede hört man wie auf Hundeplätzen oder so manch eine Hundeschule Übungen mit den verschiedensten Vierbeinern kreieren , wie z.B einige Hunde ins „Sitz“ oder „Platz“ zu schicken. Und andere laufen im Slalom an Ihnen vorbei. Zum Abluss heißt es dann „Leinen los“ und es wird „Gespielt“. All das hat mit Sozial, Alltagstauglich oder gar Sozialisierung wenig zu tun.

Aber was bedeutet eigentlich das Wort „Sozial“ Sozial stammt aus dem lateinischen und bedeutet soviel wie höflich, Aufmerksam, Gemeinsam , Rücksichtsvoll . Forschung und Wissenschaft haben mehrfach bewiesen das diese Eigenschaften sich in den Erbanlagen des Hundes befinden deswegen bezeichnet man ihn als hoch soziales Lebewesen. Die Domesitaktion also die Haushunde werden besagt das der Wolf sich vor tausenden von Jahren an den Menschen angepasst hat und heute so wie wir ihn kennen zum Haushund wurde. Wissenschaftliche versuche zeigten das der Haushund in erster Linie Kontakt zum Menschen sucht und nicht zu seinen Artgenossen.

Man kann nicht pauschal sagen wie viel Kontakt ein Hund zu Artgenossen braucht . Denn hier hängen viele Faktoren zusammen unter anderem Erfahrung des Hundes, Umgang und Erziehung, Rasse und Alter, Charakter, Wesen und Genetik. Ob ein Hund überhaupt in den sozial Kontakt treten möchte oder nicht.

Jetzt geh dich sozialisieren!!!

Menschen haben mittlerweile eigenartige Vorstellungen von Sozialkontakt für ihre Hunde: Wenn sich zwei Hundehalter begegnen, wird oft sofort zum „Ableinen“ aufgefordert – unabhängig davon, welche Hunde beteiligt sind, ob sie sich mögen oder nicht. Schließlich sollen sie miteinander interagieren, was oft als Spielen angesehen wird. „Jetzt geh und sozialisier dich“, sagt der Mensch und vergisst dabei, wie er selbst Sozialkontakte pflegt: mit ausgewählten Personen, über das Internet oder Telefon, mit Blickkontakt, freundlichem Ansprechen, Händeschütteln und erst dann kommt es zum Gespräch.

Beim ersten Kontakt zwischen Hunden erfolgen Sozialkontakte in der Regel zunächst aus der Ferne durch Geruchs-, Sicht- oder Hörwahrnehmung, bevor es zu einem direkten Kontakt kommt. Viele Hunde tendieren dazu, anderen Artgenossen aus dem Weg zu gehen, sofern sie nicht durch den Menschen daran gehindert werden. Die Annahme, dass es besonders wichtig sei, dass Welpen oder junge Hunde viel Kontakt zu ihren Artgenossen haben, ist irreführend (siehe den Beitrag von Ute Blaschke-Berthold „Welpenspielgruppen aus verhaltensbiologischer Sicht“ auf www.hundemagazin.ch). Während der Welpen- und Junghundphase ist es von größerer Bedeutung, eine gute Beziehung zu Menschen aufzubauen und immerwieder angemessenen und vorallem höflichen  Kontakt mit erwachsenen Hunden zu pflegen, anstatt ausschließlich mit Gleichaltrigen herumzutollen. Oftmals wird das, was als Spiel angesehen wird, tatsächlich dazu genutzt, Fertigkeiten wie Jagen, Treiben und Hüten zu trainieren, die in unserer Gesellschaft meist unerwünscht sind.

Ein Sozialkontakt mit einem anderen Hund kann sinnvoll sein, wenn er auf höfliche und rücksichtsvolle Weise stattfindet. Daher sollte dieser Kontakt auf Freiwilligkeit basieren. Hunde sollten nicht zu Sozialkontakten gedrängt werden, wenn es absehbar ist, dass der Versuch zum Scheitern verurteilt ist. Wenn Hunde sich bereits kennen, Vertrauen zueinander haben und sich wohlgesinnt sind, können Sozialkontakte eine positive Bereicherung sein. Es gibt jedoch auch Hunde, die solche Kontakte nicht benötigen, was nicht zwangsläufig bedeutet, dass sie asozial sind.

Thema Soziale Spaziergänge…

Es ist wichtig zu beachten, dass Sozialspaziergänge nicht zwangsläufig sozial sind. Vor der Teilnahme an solchen Angeboten sollte sorgfältig geprüft werden, ob die Erfahrung und der Lerneffekt für die Hunde positiv sind. Dafür benötigen Hunde ausreichend Distanz und Zeit, um sich wohlzufühlen – vielleicht zunächst 30 Meter oder mehr. Bei Sozialkontakten sollte es den Hunden möglich sein, sich selbst zurückzuziehen und nicht durch Zwang oder eine kurze Leine in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu werden. Der Halter kann das Ausdrucksverhalten seines Hundes beobachten und eingreifen, falls nötig, um die Situation zu entschärfen. Daher ist es wichtig, die Fähigkeit zur Beobachtung zu schulen.

Moderate Sozialkontakte, bei denen Hunde nebeneinander hergehen oder schnüffeln können, sind wertvoller als Rennspiele. Wenn nur zwei Hunde in Kontakt treten, ist die Situation für sie besser abschätzbar als bei drei oder mehreren Hunden. Intensive Kontakte erfordern zudem eine anschließende Ruhephase. Daher benötigen Hunde nicht täglich aufregende soziale Interaktionen. Im Gegenteil: Wenn solche Kontakte zu häufig stattfinden, kann ein Hund unter dem wiederkehrenden Stress gesundheitlich leiden.

Der Hund ist kein Rudeltier

Vorsicht ist geboten bei „Raufergruppen“ und „Rudeltreffen“. Ein Hund wird sozial reifer, wenn er positive Erfahrungen sammelt und daraus lernt. Bei Angeboten von Raufergruppen für verhaltensauffällige Hunde ist besondere Vorsicht geboten. Es kann unter der Aufsicht eines erfahrenen Trainers möglich sein, unerwünschtes Verhalten umzulenken oder alternatives Verhalten zu erlernen, wenn die Sicherheit (Leine, Maulkorb) gewährleistet ist und der Stress für die Hunde nicht zu groß wird. Es wäre jedoch falsch anzunehmen, dass aggressive Hunde sich gegenseitig therapieren könnten.

Besondere Vorsicht ist auch bei sogenannten „Rudeltreffen“ geboten. Obwohl es auf den ersten Blick harmlos erscheinen mag, wenn sich bis zu zwei Dutzend Hunde, die sich kaum kennen, auf einem eingezäunten Gelände bewegen, kann dies für viele Hunde stressig und bedrohlich sein. Dies kann zu Angst, Fluchtverhalten, Verteidigungsmaßnahmen oder sogar aggressivem Verhalten führen. Beißvorfälle treten häufig erst nach solchen Treffen auf, wenn der angestaute Stress sich entlädt.

Hunde würden sich unter natürlichen Bedingungen nie freiwillig zu Massenveranstaltungen oder Sozialisierungsübungen treffen. Wenn sie die Wahl hätten, würden sie solchen Situationen aus dem Weg gehen. Dies zeigt, dass wir Menschen von Hunden lernen können.