Meine Teilnahme an der FMBB-Weltmeisterschaft 2017 war eine unvergessliche Erfahrung, die mich sowohl sportlich als auch persönlich bereichert hat. Der Aufmarsch durch die Stadt Halle an der Saale war zweifellos ein Höhepunkt, bei dem die Straßen gesäumt von begeisterten Zuschauern waren und sogar der Verkehr für uns Hundesportler umgeleitet wurde. Insgesamt trafen hier 40 Nationen zusammen, um ihre Fähigkeiten und Leidenschaft für den Hundesport zu präsentieren. Nur die 6 Besten einer Nation durften antreten.
Die Atmosphäre während des Wettbewerbs war elektrisierend, geprägt von einem starken Gefühl der Kameradschaft und des sportlichen Wettbewerbs. Jeder Teilnehmer war bestrebt, sein bestes zu geben und sich mit anderen Hundesportlern aus aller Welt zu messen. Es war inspirierend zu sehen, wie Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Hintergründe durch ihre gemeinsame Liebe zu den Hunden verbunden waren. Die FMBB-Weltmeisterschaft war für mich nicht nur ein Wettkampf, sondern auch eine Gelegenheit, neue Freundschaften zu schließen und mein Wissen und meine Fähigkeiten im Hundesport weiterzuentwickeln. Diese Erfahrung hat mich motiviert und dazu ermutigt, immer nach neuen Herausforderungen zu suchen.

FMBB-WM 2017, Team Deutschland
Dabei wollte ich nie zu einer Weltmeisterschaft! Ich habe für so etwas keine Nerven, dachte ich immer. Mein Ziel war die Teilnahme am DMC-Championat.
Ich wollte schauen, wie weit ich kommen würde. Als ich „Rosso“ (Red Bull vom Further Moor) als Welpe bekam, war ich gerade mit meiner Tochter schwanger, Bis zu meiner ersten Qualifikations Prüfung verging die Zeit, Rossos Bruder Räty wurde bereits 2014 mit Mia Skogster FMBB- Weltmeister. Da hatte Rosso gerade einmal IPO 2. Nach einiger Zeit und mittlerweile zwei Kindern startete ich 2016 zum ersten Mal auf dem DMC-Championat in Hechingen. Niemals hätte ich an eine Qualifikation zur WM gedacht, geschweige denn an einen Sieg.
Über den ersten Platz habe ich mich dann sehr gefreut!
Mir wurde jedoch ziemlich schnell bewusst, dass ich nun auf eine Weltmeisterschaft „muss“. Diese Erkenntnis raubte mir den Schlaf.
Die Angst. Angst vor der Prüfung. Angst zu versagen. Angst, die Aufregung nicht in den Griff zu bekommen und vor lauter Nervosität nicht laufen zu können. Dabei ist Angst von der Natur gewollt und macht durchaus Sinn. Hätten wir als Urmenschen im Dschungel überlebt, wenn wir nicht mit Vorsicht und Angst ausgestattet wären? Wohl kaum. Auch wirklich große Popstars und alte Hasen im Showgeschäft berichten von Lampenfieber und extremer Nervosität vor jedem Auftritt. So ist es ein Stück weit beruhigend, dass Aufregung dazugehört. Nervosität und auch eine Portion Angst treiben uns zu Höchstleistungen.
„Der einzige Weg aus der Angst ist durch die Angst hindurch.“
Einige Dinge in der Vorbereitung können uns helfen, Nervosität und Angst in den Griff zu bekommen. Doch was kann ich tun, das mich die Angst nicht lähmt. Der grad zwischen Höchstleistung und absoluter Hilflosigkeit ist sehr schmal.
So habe ich mich auf die große Prüfung vorbereitet.
Testlauf: Als Hundeführer war ich bemüht, meinem Hund die einzelnen Aufgaben schrittweise zu lehren. Jedoch greifen einige Übungen ineinander, und dadurch verlor ich manchmal den Überblick. So bemerkte ich kurz vor der Begleithundprüfung, dass ich vergessen hatte, die Kehrtwendungen zu trainieren. Irgendwie hatte ich immer die Abläufe so geübt, dass mir nicht aufgefallen war, das mein Rosso noch keine Kehrtwende konnte.
Vielleicht hast auch du schon mal für eine Prüfung gelernt und am Abend vorher festgestellt, dass du ein Thema voll ausgelassen hast?! So ähnlich war das bei mir. Deshalb ist ein Test, quer durch das ganze Thema sehr sinnvoll. Denn manchmal kommt man vom 100dertsten und 1000sensten und verliert den Überblick für wichtige Eckpfeiler.
Merke: Testlauf, oder Zusammenfassung der Prüfung.
Fehlerabwägung: Es gilt abzuwägen, welche „Fehler“ man kurz vor der Prüfung einfach bestehen lässt. Als ich mit Rosso die Qualifikation für das DMC-Championat laufen wollte, fragte mich eine Freundin, was ich noch gegen das Anstoßen im Vorsitz und beim Apportieren tun wolle. Da es nur noch 24 Stunden bis zum Start waren, lautete meine Antwort: „nichts“. Rosses stärke waren die schnellen Zuläufe. Jede Korrektur am Vorsitz „auf die Schnelle“ hätte vielleicht Nebenwirkungen bei den Zuläufen. Also setzte ich auf schnelle Wege und verlor Punkte fürs Anstoßen. Nach der Prüfung nahm ich mir dann Zeit, den Vorsitz zu verbessern. Bei der nächsten Prüfung waren beide Übungen perfekt.
Mein Erfolgsrezept: „MUT ZUR LÜCKE“. Zeige mit Stolz, was du kannst, und konzentriere dich auf deine Stärken!
Hunde reagieren viel besser auf Körpersprache als auf Hörzeichen. Folglich gebe ich für jede Übung ein „Körpersignal“ dazu. Es liegt ganz am Geschick des Hundeführers, diese so zu verpacken, dass sie von normalen Körperbewegungen nicht zu unterscheiden sind. Mit Kreativität gestalte ich eine langweilige Unterordnung zu einer Unterhaltung zwischen meinen Hund und mir in seiner Sprache. Ein weiteres Beispiel: Ich liebe Eiskunstlauf. Einfach erstaunlich, welche Tanzkunst und Akrobatik von den Athleten auf das Eis gezaubert wird. Doch bis zu einer kompletten Choreografie ist es ein langer und harter Weg. Um Misserfolge oder eine verpatzte Figur so schnell wie möglich mental abhaken zu können, teilen sich die Tänzer ihre Läufe in einzelne Elemente ein. Folgefehler werden so dezimiert.
Auch in Fährte, Unterordnung und Schutzdienst unterteile ich die einzelnen Übungen. So kann ich einzelne Elemente auch einfach zu Hause oder an anderen Orten trainieren (kontextunabhängige Verknüpfungen schaffen). Wenn eine Übung nicht klappt, freue ich mich auf die nächste, denn diese klappt bestimmt. Für jede Prüfung gilt, wenn du eine Aufgabe nicht zufriedenstellend lösen konntest, setzte so schnell wie möglich einen Haken dahinter. Konzentriere dich voller Zuversicht auf die nächste Aufgabe.
Autosuggestion: Als Fahranfänger hatte ich große Angst vor einem Unfall. So stieg ich mit dem Gedanken, bloß keinen Crash zu verursachen, ins Auto. Wenn dir einer sagt: „Denke NICHT an einen blauen Elefanten“, woran denkst du dann ganz bestimmt? Wenn ich also ins Auto steige und mir fest vornehme, KEINEN Unfall zu bauen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ich einen Unfall verursache. Wir Menschen sind für selbsterfüllende Prophezeiungen sehr empfänglich. Also achte ich auf meine Gedanken und formuliere sie gegebenenfalls um. Es gilt, eine positive Einstellung zu erzeugen.
Ein kleiner Glücksbringer, den ich an Prüfungstagen bei mir habe, hilft mir dabei. Zu einer Prüfung gehört Aufregung dazu. Sie ist das Salz in der Suppe. Ich habe gelernt, meine Prüfungen ein Stück weit zu genießen.
Das wünsche ich euch auch!
Eure Lisa Bernauer

Mannschaftsweltmeister 2017, Stephanie Ollmann, Karl-Heinz Knies und Lisa Bernauer
